Bucanero in der Flasche

Ein kühles Bucanero – ob in Flasche wie hier oder in der Büchse – scheint auf Kuba derzeit nicht so leicht zu bekommen sein.

Kuba hat scheinbar mal wieder ein Problem. Und siehe da, es schreiben alle drüber! Nebenstehendes Bild ist also nicht mehr so häufig zu sehen. Zuerst ist mir der Artikel über den Bier-Engpass in DiePresse.com Ende letzter Woche aufgefallen, dann folgte der Focus am Montag, der Berliner Kurier gestern und heute Spiegel Online mit zusätzlicher redaktioneller Aufhübschung in einem Bericht über geplante und bestehende Mikrobrauereien auf Kuba. Das wird wohl das Sommerloch noch etwas auffüllen.

Kuba hat für die Versorgung mit Bier eine Brauerei in Holguín – Cerveceria Bucanero S.A.. Sie ist verantwortlich für die Produktion für die ganze Insel. Es werden die Marken Cristal, Bucanero, Bucanero Mate (Malzbier), Mayabe und Cacique von ca. 550 Mitarbeitern gebraut. Im Jahr 2011 (leider die letzten verfügbaren Zahlen) wurden immerhin pro Kopf 21,1 Liter verzehrt, so die Brauerei. Mit einer Produktionskapazität von über 1,5 Millionen Hektolitern pro Jahr ist Kuba sowieso auf Importe angewiesen. Insofern ist die Entscheidung für den Ausbau von Mikrobrauereien, wie beim Spiegel Online geschrieben, durchaus sinnvoll, denn dadurch wird der Import verringert. Der Markt insgesamt teilt sich zu 56% auf Biersorten für kubanischen Peso (CUP) und 44% auf Biere für konvertible Peso (CUC).

Was ich an allen Artikeln jedoch bemängeln muss, ist die Tatsache, dass die Preise schlecht recherchiert sind. Mayabe kostet – egal wo – 20 CUP und Cacique 18 CUP. Bei diesen gibt es keine Spekulation, wie mir vor Ort gesagt wurde. Das sind umgerechnet ca. 55 Euro-Cent für eine Büchse mit 350 ml. Bucanero und Cristal kosten offiziell überall 1 CUC. Die in den Artikeln genannten privaten Restaurants (Paladares) haben völlige Freiheit in der Preisgestaltung. Aber das billigste, was ich je gesehen habe war 1,20 CUC (~0,92 Euro), was schonmal 20% und nicht 15% über den Normalpreis ist. Üblich und von mir oft in Havanna gesehen sind aber 50% Aufschlag – also 1,50 CUC (~1,15 Euro). In den neuen Restaurants auch mal 2 CUC (~1,54 Euro) oder 100% Aufschlag. Das teuerste Bier im Paladar habe ich in Trinidad getrunken – für immerhin 2,50 CUC (~1,92 Euro) pro Büchse à 350 ml. Das kann dann schon fast mit meiner Lieblings-Kneipe in Berlin mithalten, wo die gleiche Menge für 2,19 Euro zu haben ist.

Im Juni sagte mir ein Verkäufer in einem staatlichen Laden, dass Kuba seine Rechnungen nicht bezahlt hätte und deshalb nicht mehr mit den Grundstoffen Hopfen, Malz & Co versorgt wird. Zumindest dieses Gerücht hat sich nicht bis Deutschland rumgesprochen. Zu der Zeit war das Bier auch schon knapp, aber es fanden sich immer noch Stellen wo man zuschlagen konnte. Importbiere gab es überall zu kaufen – im Juni war das Bavaria oder mexikanisches Bier. Ausweichen auf die Biere für kubanische Peso konnte man sowieso. Diese schmecken übrigens gar nicht so schlecht.

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