Wenn ich an Kuba denke, dann habe ich auch einen bestimmten Geschmack im Mund: Reis, Bohnen und ein Stück Fleisch, etwas fettig. Und ein Bucanero oder Cristal dazu. Nicht zu vergessen, der Flan als Dessert 🙂 Das ist für mich die Essenz von Kuba. Aber Essen ist für die Kubaner noch viel mehr, es ist Kultur – und erzählt uns damit viel über die Kubaner selbst. Sage mir, was du isst und ich sage dir, wer du bist.

Blick in den Innenraum: Cafe TV im Edificio FOCSA

Cafe TV im Edificio FOCSA

Deswegen hier jetzt, auf vielfachen Wunsch, die Fortsetzung unserer kleinen Serie über die kubanischen Besonderheiten, die Essens-Ausgabe quasi 😉

  1. Das gemeinsame Essen in der Familie ist heilig. Man versammelt sich um den Abendbrottisch, eine quasi-zeremonielle Handlung. Hier findet man den Kern der sprichwörtlichen kubanischen Familie. Da die Familien oft in einem Haus wohnen, treffen hier bis zu vier Generationen aufeinander.
  2. Essen in Kuba braucht Zeit. Und die nimmt man sich auch. Hetzt bloß keinen Kubaner mit seinem Essen – gibt ja aus gutem Grund (fast) kein Fast Food in Kuba. Meine Erfahrungen als Uni-Dozent: der Unterricht fängt an, wenn alle Studis von der Essenspause zurück sind.

    Screenshot: Nancy, kochen für die Götter

    Nancy aus „The Taste of Havana“, dem kubanischen Multimediakochbuch

  3. Die Hauptzutat eines guten Essens? Fleisch, viel Fleisch, am besten Rind. Je mehr desto besser, Quantität statt Qualität. Man sieht es vor allem an den jüngeren Kubanern, die sind rund und gesund – das steht u.a. auch für: ich kann‘s mir leisten.
    Ein Restaurant wird danach bewertet, wie groß die Portion auf dem Teller ist, da kann die Burgerboulette beim Kauen ruhig ein bisschen knacken, Hauptsache es ist viel davon da.
  4. Vegetarisch ist im Zweifel Hühnchen. Oder Fisch… Und der Salat auf dem Teller ist nicht zum Essen, der ist nur Deko.
    Vegan? Hat auf der Insel noch keiner gehört. Also wenn ihr vegan lebt, dann macht euch auf eine böse Überraschung gefasst, denn selbst der Reis kann Fleischstückchen enthalten, zum Würzen halt.
  5. Überall Zucker: ja, die Zuckerinsel. Die Frage könnte lauten: wollen Sie noch etwas Kaffee in Ihren Zucker haben? Für alle, die wissen wollen, wie süß ein Kaffee werden kann, denen empfehle ich einen Café Bombón!
  6. Spaghetti al Dente?! Die Zähne sollen ja auch mal Pause haben, deshalb sind kubanische Spaghetti weich – und werden mit dem Messer geschnitten. Danach kann man sie dann auch viel besser essen. Die armen Italiener, die die Insel regelmäßig in Scharen besuchen, denen muss das Herz brechen!
  7. Rum Cola statt Cola Rum: eine Herausforderung für unser Verhalten ist das Mischverhältnis des klassisch kubanischen Drinks. Während wir hier in Deutschland die Cola mit ca. 4 cl Rum serviert bekommen, ist die Cola für die Kubaner nur der Farbstoff, der dem Rum ein bisschen ansehnlicher macht. Die Kubaner kalkulieren den Alkoholgehalt natürlich und trinken entsprechend langsamer als wir Mitteleuropäer. Die Auswirkungen auf uns Deutsche sind natürlich entsprechend verheerend – ich habe schon die schönsten Geschichten mit meinen Studenten gehabt – als kleiner Hinweis: bei Übergeben nicht am Waschbecken festhalten, die sind nicht immer fest montiert 😀

    Cibo Cafe

    Hähnchen im Cibo Cafe

  8. Keine Chilis, obwohl die Salsa Habanera von hier kommt: Kubaner essen nicht im Mindesten scharf, sie sind ja auch keine Mexikaner. Also lasst euch nicht täuschen, es gibt auf Kuba Chilies, nur die werden exportiert. Aber Pfeffer werdet ihr im Restaurant vergeblich suchen, die Kubaner benutzen nicht mal den.
  9. Reis gehört zum Essen dazu, ist quasi das Essen. Ok, das Fleisch, s.o., ist vielleicht noch wichtiger. Aber der proportional größte Teil des Essens ist eben doch der Reis, als weißer Reis, als gelber Reis oder als Moros y Cristianos. Und Brot? Brot ist kein echtes Essen. Kartoffeln übrigens auch nicht. Vielleicht noch die Süßkartoffel, aber dann nur als Beilage.
  10. Die staatlichen Restaurants sind inzwischen überwiegend selbstverwaltete Kooperativen. Das ändert leider auch nichts an der Qualität – die in vielen, aber nicht allen, privaten Restaurants erheblich besser ist. Aber das beste Essen gibt es zu Hause, wenn die Hausfrau kocht. Also wenn ihr irgendwann mal die Chance habt, in Kuba selbstgekochtes Essen zu kosten, schlagt zu – vielleicht kocht ja die Casa-Mama für euch oder eine Bekanntschaft lädt euch ein. Es lohnt sich, dafür auch Geld auszugeben. Und wenn ihr Schokolade und Rum mitbringt, wird man euch noch mehr mögen.

Fazit

Kubanisches Essen ist vielleicht keine Spezialitätenküche wie in Frankreich, aber das ist die deutsche Küche ja auch nicht. Und um die kubanische Küche zu verstehen, reicht es, ein bisschen in der Zeit zurückreisen, ins Deutschland der Wirtschaftswunderjahre. Meine Mutter erzählte mir, dass sie in den Sechzigern das erste Mal Paprika gegessen hat, in Bayern, also nah an Italien. In Berlin gab es sowas nicht. Und Kuba, eine Insel, nicht nur in geografischer, sondern auch kultureller Hinsicht, hat noch viel nachzuholen. Passend dazu bekomme ich gerade die Meldung, dass das zweite Japanische Restaurant in Havanna aufgemacht hat.

Aber unabhängig von der Ausrichtung: Essen ist in Kuba Kultur, lasst euch also auf die kubanische Küche ein – am besten auf das Essen der kubanischen Ama de Casa!

Ich wünsche euch einen guten Appetit, mein Mund ist jetzt jedenfalls wässrig!
Saludos sagt euer Kubareporter,
Dietmar

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