Paduras Havanna-Quartett spielt im Jahr 1989 und zeichnet ein genaues Bild der kubanischen Realität kurz vor dem Zusammenbruch des kommunistischen Lagers. In den Romanen wird der offiziellen Sprachregelung ziemlich eindeutig und oft auch in Metaphern widersprochen: Kuba ist kein sozialistisches Paradies.

„Este pais se ha vuelto loco!“

Antonio Rangel

Colonel

Das morbide Havanna als ideale Kulisse

Der Antiheld Mario Conde säuft sich durch die Episoden in Spielfilmlänge und löst dabei spannend inszenierte Kriminalfälle, die einen authentischen Blick hinter die Kulissen der kubanischen Gesellschaft erlauben. Conde gibt den desillusionierten Kubaner, der ehrlichen Herzens Revolutionär ist und doch mit dem was ist, nicht glücklich sein kann. Dem Tourist wird sich ein solches Bild nicht ohne Weiteres eröffnen.

Kubanews: Vier Jahreszeiten in Havanna
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Unter den Dächern von Havanna geht es teils wild zu. Mit der Serie ist Netflix eine Darstellung gelungen, die ungeschönte Einsichten bietet.

Für die Adaptation der Werke ins Fernsehen wird die Handlung auf die Jahre 1997 und 98 gelegt. Da ist die período especial schon vorüber und es gibt genug Tristesse auf die sich anspielen lässt. Immer wieder zeigt die Kamera Details der zerfallenden Stadt und Ideale. In den Dialogen wird die Sprache Havannas unverblümt wiedergegeben: sie fluchen, sie streiten und sie lieben wie die echten Habaneros. Deshalb empfehle ich die originale Tonspur mit deutschen Untertiteln, auch als Spanischanfänger. Das macht das Kubafeeling noch viel stärker.

Sehr fein fotografierte Szenen zeigen aus der Luft Havanna atemberaubend und eng verwoben mit der Handlung. Da ist Netflix ein bildliches Meisterwerk gelungen. Einen passenden Sound gibt es ebenfalls. Teils sehr melancholisch, aber nie überdreht klischeebeladen – ideal für Romantiker, wie Conde.

„… hay un calor de mierda.“

Mario Conde

Teniente

Der Plot zeigt Kubas Widersprüche

Der Cast greift auf die besten kubanischen Schauspieler zurück. Das ist ein Glücksfall, denn so sind Schauspieler zu sehen, die sich nicht in ihre Rolle einfinden müssen, sie brauchen „nur“ ihr Leben zu zeigen. Und das ist überdeutlich zu spüren. In der Wortwahl und auch in der Mimik der Darsteller.

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Was nachts in Havanna passiert, kann man nur erahnen – dank der Serie gibt es jetzt eine Idee davon.

Der Antiheld Mario Conde wird von Jorge Perugorría hervorragend gespielt. Immer wieder muss er mit Restalkohl kämpfen. Seine wankenden Wanderungen durch das nächtliche Havanna zu seiner Wohnung stehen sinnbildlich für sein Schwanken zwischen Schriftsteller und Polizist. Seinen „Bruder“ spielt der in Kuba nicht minder bekannte Luis Alberto García.

Es wird kein Blatt vor dem Mund genommen, wenn es um die Darstellung von Korruption, Karrierismus, Opportunismus und Doppelmoral im Kuba nach der Revolution geht. Kriminalität, Drogenmissbrauch und Prostitution werden ebenfalls sehr offen behandelt. Sex hat eine tragende Rolle sowohl in der Handlung als auch als Subtext. Die Fehler der Vergangenheit werden offen benannt, insbesondere auch die Verfolgung von Homosexuellen in den 1970er Jahren.

Beim Zusehen zeigt sich auch, dass die Schauspieler viel Enthusiasmus in die Filme eingebracht haben, denn es gibt keine Sekunde, in der Langeweile aufkommt. Selbst wenn nicht gesprochen wird, sondern die Bilder der Stadt Havanna oder der Schauspieler und Komparsen für sich sprechen, sitzt der Kubafan atemlos vor dem Fernseher und will jede Sekunde dieser authentischen Studie zum kubanischen Leben aufsaugen.

„… historias escualidas y conmovedoras.“

Mario Conde

Teniente

Fazit

Die Serie ist ein Muss für jeden Kubafan. Gerade wer, wie ich, im Sozialismus aufgewachsen ist, kennt das von der Serie transportierte Lebensgefühl nur zu gut. Es wird nichts geschönt und das Bild der Realität nachgezeichnet. Die Musik, die Sprache, die Fotografie und der Plot sind Kuba. Die Filme sind im offiziellen kubanischen Fernsehen nicht zu sehen. Die Nutzer von El Paquete (kubanische Offline-Variante von Netflix) hingegen konnten die Serie schon sehen. Wer noch tiefer in die Welt des Teniente Mario Conde einsteigen will, sollte unbedingt die Bücher lesen. Auch hier empfiehlt sich das spanische Original.

Der renommierte Schauspieler Luis Alberto García macht im Club El Sauce am Sonntagnachmittag ab 17 Uhr die Máquina de la Melancolia – wer unter Kubanern tanzen will, sollte da hingehen 😎

Screenshots der Schauspieler sind aus dem Trailer zum Film von Netflix.

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