Versorgungsengpässe auf Kuba

Banknote: 3-Peso-Note mit Che-Konterfei

In den letzten Jahren schien es mit der kubanischen Wirtschaft immer weiter aufwärts zu gehen: mehr Touristen, mehr Selbstständige, Häuser wurden neu gestrichen, immer mehr neue Autos auf den Straßen und viele andere Dinge, die für einen Aufschwung sprachen.

Nun aber scheinen die Öllieferungen aus Venezuela aufgehört zu haben, nichts Genaues weiß ich nicht, warum und was genau passiert ist, darüber habe ich en la Calle nichts gehört – vielleicht wisst ihr ja mehr? Schreibt eine Nachricht oder einen Kommentar!!!

Bucanero und Cristall sind aus

Bucanero in der Flasche

Ein kühles Bucanero – ob in Flasche wie hier oder in der Büchse – scheint auf Kuba derzeit nicht so leicht zu bekommen sein.

Allerdings macht sich die Knappheit überall bemerkbar. Kubanische Biere sind fast nicht mehr zu haben – wobei das ja schon länger Probleme machte: die Privaten kaufen sich Reserven zusammen und die Kapazitäten werden aufgrund von Differenzen über die Konditionen zwischen den Joint-Venture-Partnern und der Regierung nicht hochgefahren. Das führt zu solchen Paradoxien, dass z.B. im Polinesio, unten im Habana Libre, die Cerveza Presidente aus Venezuela 1,50 CUC kostet und das Bucanero 2,50 CUC.

Das nächste Level – TuKola und Malta auch knapp

Nun haben wir allerdings ein neues Level erreicht: es kann durchaus sein, dass ihr keinen Cuba Libre mehr bekommt – das Standardgetränk gerade ist die Limon Libre, also Rum und Refresco de Limon. Refresco de Limon gibt es meist noch, dagegen ist es verdammt hart, Malta zu bekommen.

Aber, um beim Polinesio zu bleiben: der Colamangel kann auch Vorteile haben. Die Drinks sind jetzt so kräftig, dass ihr nach 2 bis 3 Cocktails beschwingt nach Hause segeln könnt. Sonst bestanden die Drinks in der Happy Hour überwiegend aus Soft Drink, nun fließt viel mehr Rum in den Cocktail – die Cola ist halt teuer 😉 Für einen CUC ist das Polinesio, auch wegen seines interessanten Ambientes, übrigens total zu empfehlen – Happy Hour geht von 16 Uhr bis 20 Uhr – essen braucht ihr dort allerdings nicht, das ist teuer und so naja.

Geschäfte geschlossen

Bild: Blick die Avenida de Los Presidentes herunterDie Knappheit an Waren und Energie wirkt sich aber nicht nur auf die Versorgung mit TuKola aus, sondern auch auf die Geschäfte. In den Supermärkten gibt es fast nur noch Waren mit geringer Umsatzgeschwindigkeit, Wein beispielsweise. In den Galerias de Paseo sind die leeren Regale nun mit solchen Produkten aufgefüllt, während die Produkte des täglichen Bedarfs vielleicht noch 10 bis 15 Prozent des Warenbestands ausmachen.

Manche Geschäfte machen auch gar nicht mehr auf oder verkaufen nur noch über einen Tresen an der Tür. Das führt dazu, dass man für seinen Rum auf dem Malecón nun ganz schön laufen muss – oder in der Schlange an den Läden ansteht, die noch offen sind und alles haben.

Sammeltaxis

Die beliebten Almendrones oder Machinas, also die Oldtimer, die als Sammeltaxis durch die Gegend fahren, verkehren auch nur noch eingeschränkt. Entweder nur noch kurze Strecken oder man wartet ewig auf ein freies Taxi. Während früher an allen Ecken Benzin zu haben war, wartet der Taxifahrer halt inzwischen durchaus 2 Stunden an der öffentlichen Tankstelle auf seine Tankfüllung. Das hat sich auch in den Preisen niedergeschlagen. Da der Staat ein Verbot der Preiserhöhung beschlossen hat, wurden dann eben von den Taxifahrern die Strecken verkürzt, kommt auch mehr Geld rein, hat aber zu einigem Ärger mit den Fahrgästen geführt.

Sparen beim Staat: durchgeschnittene Stromkabel

Als ich auf dem Flughafen in Havanna ankam, habe ich mich schon gewundert, dass es so heiß ist – die Klimaanlage wird nicht mehr durchgängig betrieben. Im Rahmen der oben geschilderten Energieknappheit eine logische Konsequenz.

Zu einigen komischen Auswirkungen führt der Trend zum Sparen allerdings: an der Uni Havanna muss 30 Prozent Energie gespart werden, die Klimaanlagen, die es in manchen Räumen gibt, sind die Hauptenergiefresser. Also hat man kurzerhand die Kabel der Anlagen durchgeschnitten – man erkennt seine Schweine halt am Gang. Wären die Stecker noch dran, hätten es sich einige der Studis sicher nicht nehmen lassen, die Klimaanlagen trotzdem zu benutzen 😉 Da bekommt der Ausdruck „Power Cut“ übrigens eine ganz andere Bedeutung…

havanna-kuba-plaza-vieja

Die Lösung

Nun ist die kubanische Regierung allerdings auch gut mit Mangel umzugehen. Ob die Lieferungen aus Venezuela je wieder aufgenommen werden bzw. das alte Level erreichen, ist unklar. Allerdings gibt es mit dem boomenden Tourismus, mehr Kooperationen, z.B. in der Sonderwirtschaftszone um den Hafen Mariel, die Annäherung an die USA eine mittel- bis langfristige Perspektive auf einen Ausgleich aus eigenen Mitteln. Das heißt, zumindest in meiner Analyse, dass es sich um einen kurzfristigen Engpass handelt, der auf die Dauer behoben werden kann.

Grundversorgung sicherstellen

La Rampa, Stadteil Vedado, HavannaUm die Härten für die Bevölkerung abzumildern, wurden deshalb die Preise für einige Grundnahrungsmittel reduziert, z.B. für das obligatorische Hühnchen, das ihr deshalb in jedem Restaurant bekommt. Aber unabhängig von uns Touristen, dass die Bevölkerung immer genug zu Essen hat, ist sicher eine gute Idee.

Öl gefunden

Vielleicht hat Kuba diesmal ja auch Glück, denn es gibt Berichte, dass nun endlich, nach mehreren Jahren, vielversprechende Ölquellen gefunden wurden und Kuba selbst mehr Öl fördern kann. Die Quellen sind dann auch einigermaßen zuverlässig, denn die verantwortliche australische Firma muss Berichte an die Aktionäre liefern, es handelt sich also um eine seriöse Quelle – allerdings handelt es sich nicht um einen sicheren Ölfund, aber die Wahrscheinlichkeit eines Vorkommens ist hoch.

Eigenes Öl wäre natürlich die Lösung, man könnte sich an den eigenen Haaren aus dem Sumpf ziehen.

Fazit

Wenn ihr jetzt nach Kuba fliegt, dann stellt euch darauf ein: es gibt nicht alles überall. Die Versorgung für Touristen ist sichergestellt und ihr werdet nicht verdursten oder verhungern, nur eventluell müsst ihr ein bisschen mehr auf euren gewohnten deutschen Standard verzichten.
Ist alles nicht so schlimm, der Strand leuchtet weiterhin weiß und die Kubaner sind weiterhin freundlich, so dass ich morgen sofort wieder in den Flieger steigen würde – wenn mir jemand den Trip spendiert 😉

Ich wünsche euch einen schönen Herbst, vielleicht habt ihr ja sogar das Glück nach Kuba zu fliegen, dann stoßt auf uns Hiergebliebene an!
Saludos, Euer Dietmar

PS: Für alle, die das erste Mal nach Kuba fliegen, es sei euch noch folgender Artikel ans Herz gelegt: Meine 15+ wild zusammengewürfelten Tipps für euren ersten Kubatrip!


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